
Unser Haar ist lebendig. Es ist kein totes Anhängsel unseres Körpers, sondern hat wie alle Organe wichtige Funktionen. Es schützt den Körper und insbesondere den Kopf vor äußeren Einflüssen wie Licht, Feuchtigkeit, Hitze oder Kälte. Darüber hinaus nimmt das Haar auch Stoffe aus der Umwelt auf und leitet sie in den Körper weiter. Am Haar spiegelt sich der allgemeine Gesundheitszustand eines Menschen wider. So kann stumpfes Haar auf eine Erkrankung hinweisen oder frühzeitiges Ergrauen auf einen Mineralstoffmangel. Je nach Haarlänge speichern Haare über Monate oder Jahre auch das, was wir unserem Körper einmal „angetan“ haben. So lassen sich Medikamente oder Drogen in den Haare am längsten und auch am zuverlässigsten nachweisen. Jeder Konsum schlägt sich dort nieder, vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumes.
Das Haar ist grob in drei Schichten aufgebaut. Die erste, äußerste Schicht – Schuppenschicht genannt – besteht aus flachen, übereinander greifenden Zellen, vergleichbar mit einem Tannenzapfen. Die Schuppenschicht besteht aus sechs bis zehn solcher Zelllagen. Sie ist wichtig, da sie den Gesundheitszustand der Haare am offensichtlichsten anzeigt. Beim gesunden Haar liegt die Schuppenschicht flach an und ergibt so eine flache Oberfläche. Von einem dünnen Eiweißfilm überzogen, wird das Licht von der Schuppenschicht optimal widergespiegelt und ergibt so den gesunden Glanz des Haares. Den überwiegenden Teil des Haares macht die mittlere Schicht aus. Sie wird Faserschicht oder Cortex genannt und besteht überwiegend aus dem Haar-Protein Keratin. Im Inneren des Haares schließlich befindet sich mit dem Markkanal die dritte Schicht, der für den Aufbau und die Struktur der Haare vermutlich ohne Bedeutung ist.
Das Haarwachstum findet in den Haarfollikeln statt, das sind Zellen im Bereich der Haarwurzel, die durch häufige Teilung immer wieder neue Zellen für das nachwachsende Haar bereit stellen. Dort befinden sich auch zahlreiche Pigmentzellen, aus denen Farbpigmente gebildet und an das Haar abgegeben werden und somit für die Haarfarbe verantwortlich sind. Im Fall von grauen Haaren werden anstelle von Farbpigmenten kleine Luftblasen eingelagert.